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Tante-Emma-Laden als Start-Up

Die Tante Emma-Läden gehören in der Rhön zu einer aussterbenden Art. Nicht so in Bad Bocklet: Dort versuchen Christian Roßmann und Sebastian Tröster das Nahversorgungskonzept fit für die Zukunft zu machen. „Der Onlinesektor ist stark im Kommen“, informiert Tröster. „Warum also nicht mal einen Tante-Emma-Laden als Onlineshop?“

Kennengelernt haben die beiden sich über das Fußballspielen. Das besondere am Duo: Rhöner trifft auf Sauerländer. Während der 28-jährige Roßmann sein ganzes Leben in der Rhön verbrachte, zog es den 31-jährigen Tröster erst vor acht Jahren in das Land der offenen Fernen. Keiner der beiden kommt aus dem Einzelhandel. „Ich bin eigentlich Projektleiter im Tiefbau“, sagt Roßmann. Tröster legte bei einem Versandhandel ein duales Studium ab und arbeitete unter anderem fünf Jahre als Werbeleiter. Das Start-Up vereint für die beiden Leidenschaft und regionale Verbundenheit. Die Idee zu ihrem Unternehmen kam den beiden Freunden an einem Abend am Stadtstrand in Bad Kissingen – bei einem Glas Wein. „Wir haben festgestellt, dass es hier viele kleine regionale Erzeuger gibt, die von der Öffentlichkeit aber kaum wahrgenommen werden“, teilt Roßmann mit.

Gedankenspiele

Es folgten Überlegungen und Gedankenspiele wie sich ein Online-Tante-Emma-Laden aufbauen ließe. „Unser Hauptziel ist es, gemeinsam mit den Erzeugern die Region nach vorn zu bringen“, erklärt der 28-Jährige. Der Name für das Projekt war dank der Ehefrauen schnell gefunden: „Im Endeffekt ist es die Verbindung aus dem Wort 'Dorfgemeinschaft' und 'Ladenzeile' geworden. Kombiniert war das dann die 'Dorfzeile'.“

Über den bayerischen Bauernverband, der Dachmarke Rhön und weitere Organisationen begab sich das Duo schließlich auf die Suche nach den lokalen Erzeugern. Als Einzugsgebiet wählten sich die beiden die gesamte Rhön und deren Umland. „Wir wollten die ganze Region im Boot haben. Egal ob Hessen, Thüringen oder Bayern“, erklärt Tröster. „Die Verbände waren dafür unser Sprachrohr nach draußen. Im März 2018 haben wir dann gemeinsam eine Vortragsreihe abgehalten, die bei den Erzeugern auf großes Interesse gestoßen ist“, sagt der 31-Jährige.

Allerdings gehörte auch Skepsis zu den Reaktionen, die Tröster und Roßmann erfahren mussten. „Viele kleinere Hersteller hatten Bedenken, dass wir ihnen die Preise diktieren und damit kaum Luft zum Atmen lassen“, fügt Roßmann an. „Das Ziel von der 'Dorfzeile' ist nicht unser Profit. Wir wollen in der Region etwas bewegen. Deshalb richten wir uns nach den Preisen der Erzeuger.“ Dadurch sind die Produkte zwar teurer als in Discountern, allerdings wisse man, „woher es kommt und dass die Produkte mit viel Liebe unter höchsten Qualitätsanforderungen hergestellt werden“.

Damit treffen die beiden eine aktuelle gesellschaftliche Strömung: „Die Nachfrage nach nachhaltig erzeugten Produkten steigt stetig“, stellt Roßmann fest. Aus diesem Grund haben sie sich dazu entschlossen, das Start-Up in diese Richtung aufzustellen. „Das fängt schon bei den Verpackungen und Isoliermaterialien an. Wir wollen umweltbewusst sein, da passt Styropor als Dämm- und Polstermaterial für gekühlte Waren einfach nicht.“

Die Lösung: Stroh und Hanf als Isoliermaterial, so können auch verderbliche Lebensmittel sicher und gekühlt versendet werden. Außerdem bestehen die Kartons aus recycelten Materialien. „Wegwerfen muss man nach Erhalt der Ware eigentlich nichts. Das Stroh kann zum Beispiel problemlos für Hasen verwendet werden.“ Der Umweltgedanke erstreckt sich jedoch nicht nur auf den Versand. Auch die Server der „Dorfzeile“ werden mit Ököstrom betrieben. Der Versand ist aber nicht zwingend notwendig. „Zu unseren Geschäftszeiten ist es bald möglich, dass erworbene Produkte auch direkt in verschiedenen Abholstationen abgeholt werden können“, informiert Tröster. „So haben die Kunden aus der Region die Möglichkeit ihr Paket noch direkt am selben Tag abholen zu können.“ Online ging der Shop am 27. Juli. Erste Werbekampagnen für den Tante-Emma-Laden des 21. Jahrhunderts laufen schon. Ausruhen kommt für die beiden allerdings nicht in Frage, weitere Werbeideen stehen schon fest: „Das ist die typische Dorfoma, die weiß was abgeht – zum Beispiel welche Produkte neu im Sortiment sind oder Stories, die sie über die tollen Erzeuger parat hat“, erklärt Roßmann.

Gefunden hat sich hierfür bereits eine echte Ur-Rhönerin, die nicht nur Geschichten erzählt, sondern auch Kochvideos, Omas Rezepte und vieles mehr „ausplaudert“. „Sie wird als Testimonial auch auf Paketen und Flyern zu finden sein.

Zu jedem Projekt eine Geschichte

Das zieht sich sozusagen durch die „Dorfzeile“ durch, beschreibt Tröster das Werbekonzept. Moderne Werbung zu platzieren und damit die Heimatunternehmer zu unterstützen, liegt dem Duo am Herzen. „Zu jedem Projekt gibt es eine eigene Geschichte, die wir durch Fotostorys und Videos mit dem Erzeuger blogähnlich erzählen wollen.“ Um die Generation zu erreichen, die aufgrund ihres Alters nicht netzaffin ist, haben sich Sebastian Tröster und Christian Roßmann ebenfalls Gedanken gemacht. Tröster: „Da wollen wir Handkataloge mit dem Basissortiment auslegen und verteilen lassen.“ Es sei wichtig, jegliche Kanäle zu nutzen. „Darunter fallen auch Bestellungen über Messenger-Dienste.“

Saalezeitung 03.10.2018 – Text und Foto: Johannes Schlereth

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