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„Meine Dorfzeile“: der digitale Dorfladen

„Meine Dorfzeile“: der digitale Dorfladen

Bier, Honig, Mehl, Nudeln – kann man theoretisch alles bei Produzenten aus der Region kaufen. Trotzdem gehen die meisten zu Aldi und Co. – das ist bequemer. Und billiger. Zwei Killer-Argumente. So nicht, dachten sich die Gründer von „Meine Dorfzeile“. In ihrem Online-Shop gibt es Einzelhandelsprodukte aus der Region zu kaufen.

Wer weiß schon, dass es zwei Dörfer weiter eine Mühle gibt oder wo man wenige Kilometer entfernt Honig direkt vom Imker bekommt? Shame on you! And me.

Fakt ist: Regionale Produzenten gibt es en masse. Und das geht deutlich weiter als nur Mehl und Honig. Vor allem sind es Lebensmittel und Getränke, aber z. B. auch Klamotten und Haushaltswaren. Mit dem Vertrieb tun sich die „local producer“ aber oft schwer. Der Bekanntheitsgrad ist überschaubar, die Möglichkeiten fehlen. An einen Online-Versand denken die meisten erst gar nicht.

Christian Roßmann und Sebastian Tröster aus Bad Bocklet schon.

Mit ihrem Online-Shop „Meine Dorfzeile“ bieten sie Produzenten aus der Rhön eine Verkaufs- und Marketing-Plattform (wobei sie die „Rhön“ sehr weitläufig auffassen). Die beiden Jungs haben selbst einige Bekannte, die in der Region Produkte herstellen. „Aber das weiß ich Nachbarort schon niemand mehr“, sagt Christian Roßmann. Und daran wollen sie etwas ändern.

Die Idee zur Dorfzeile wurde an einem Sommerabend 2017 am Bad Kissinger Stadtstrand geboren. Ab dann ging alles ganz schnell. Noch am selben Abend entstand der Name und die zugehörige Domain www.dorfzeile.de wurde gesichert. „Damit war das Feuer entfacht“, erzählt Roßmann.

Die edle und nicht weniger anspruchsvolle Mission der Gründer: „Die Region nach vorne treiben.“

„Endlich traut sich da jemand ran“

Zunächst fragten sich Christian Roßmann und Sebastian Tröster, ob es ein ähnliches Projekt nicht vielleicht schon gäbe. Nach einiger Recherche stellte sich heraus: Nicht wirklich. Für die Gründer eine beruhigende Antwort. Einzelne Regionen in Deutschland verkaufen zwar schon Lokalgut übers Internet, aber richtig gute Beispiele haben sie nur im Ausland gefunden. Für die Rhön gleich gar nichts. Bingo!

Die wenigen Beispiele aus Deutschland zeigten außerdem: Die Projekte für den Online-Vertrieb regionaler Produkte sind oft bei Ämtern oder Behörden angesiedelt. Und mehr gewollt als gekonnt. Eine Best-Practice-Lösung aus der freien Wirtschaft? Fehlanzeige.

Das ist ein großer Vorteil von Christian Roßmann und Sebastian Rößner. Sie machen das, weil sie Spaß dran haben, nicht weil sie es machen müssen.

Ein Meilenstein auf dem Weg zum regionalen Dorfladen im Internet war das erste externe Feedback. Die beiden Gründer stellten ihre Idee, nachdem sie nichts Vergleichbares gefunden hatten, bei verschieden Vereinen und Verbänden vor – unter anderem bei der der Dachmarke Rhön und dem Bayerischen Bauernverband.

Und alle waren sie begeistert. Schnell war klar: Es gibt ein Grundbedürfnis nach dem digitalen Dorfladen. „Endlich traut sich da jemand ran“, so das einstimmige Feedback.

Faires Miteinander: „Wir sind nicht profitgeil. Wir sind kein Discounter.“

Ganz systematisch gingen Christian Roßmann und Sebastian Tröster an das Thema ran. Ein Business Plan wurde erstellt: Welche Produkte sollen angeboten werden? Wann soll der Online-Shop live gehen?

Um mit den heimischen Produkten und deren Erzeugern in Kontakt zu kommen, haben die Jungs über den Bauernverband und die Dachmarke Rhön zwei Infoabende organisiert. Dort stellten sie bereits erste Entwürfe des Online-Shops vor.

Ein strategisch kluger Schachzug, auf das Netzwerk des Verbandes zu setzen. So kamen die Gründer nicht nur auf einen Schlag mit einer Vielzahl an Erzeugern in Kontakt, sondern konnten auch gleich eventuelle Vorbehalte gegenüber dem digitalen Geschäftsmodell ausräumen.

Dabei war auch wichtig, die potentiellen Partnerbetriebe von der Philosophie hinter dem Projekt zu überzeugen. Es sollte klar sein: „Wir sind nicht profitgeil. Uns geht es um die Produkte, die Gesichter und Geschichten dahinter.“ Auf der Plattform sollen keine Preiskämpfe wie bei Discountern geführt werden. Ein faires Miteinander soll die Zusammenarbeit prägen. Jeder Hersteller soll den Preis, den er für sein Produkt haben will, auch bekommen.

Und siehe da: Trotz anfänglicher Skepsis war bislang noch niemand dabei, der sich quergestellt hat. Alle Interessenten sehen in erster Linie den Vorteil, den sie durch „Meine Dorfzeile“ bekommen.

Aber was springt eigentlich für die beiden Gründer dabei raus, außer der Gewissheit, etwas Gutes für die Region zu tun? Ganz einfach: Für ihre Arbeit schlagen sie auf den Einkaufspreis einen Betrag auf. Damit decken sie Ausgaben für Vertrieb und Marketing. Und im besten Fall bleibt ein Gewinn übrig.

Start-up-Feeling im ehemaligen Hotel

Mittlerweile hat die Meine Dorfzeile GbR eigene Büroräume in einem ehemaligen Hotel in Bad Bocklet angemietet. Klar, großartig umbauen oder einrichten ist für das junge Unternehmen nicht drin. Umso charmanter ist es, wenn man durch die langen Gänge mit vielen Türen hindurch, vorbei an Arztpraxen, den Weg in die kleine Zentrale des Start-ups sucht.

Hat man sie gefunden, steht man in einer Kombination aus Büro, Fotostudio und Lagerraum. In dem ehemaligen Hotelzimmer entsteht alles: Homepage, Produktfotos, neue Kooperationen mit Erzeugern. In einer Two-Man-Show „Roßmann-Tröster“.

Die beiden bringen aus Beruf und Ausbildung nicht die schlechtesten Voraussetzungen dafür mit. Christian Roßmann, hauptberuflich Projektleiter in einem Ingenieursbüro, kümmert sich um Akquise, Kundensupport und sonstige unternehmerische Belange. Sebastian Tröster ist gelernter und studierter Mediangestalter für Off- und Online-Medien. Er ist vor allem für Design und Programmierung zuständig.

Bürokratische Stolpersteine für Unternehmensgründer

Dass die beiden es ernst mit ihrer Unternehmung meinen, zeigt sich auch an dem Tempo, mit dem sie „Meine Dorfzeile“ – wohlgemerkt neben dem Beruf – vorantreiben. Im Januar 2018, ein gutes halbes Jahr nach der Idee, erfolgte schon der Eintrag ins Unternehmensregister. Im Juli 2018 ging nach einer Testkunden-Phase der Online-Shop live.

Ein Jahr von der Idee zum fertigen Shop. Das Internet macht es möglich. Das Ganze hätte aber nach Meinung der Gründer auch durchaus schneller gehen können. Zu einer Firmengründung gehört aber eben auch viel Papierkram. Und der nimmt Zeit in Anspruch.

Da müssen Ämter und Behörden abgeklappert, Telefonate geführt, Formulare ein- und nachgereicht werden. Außerdem gilt es die notwendigen Auflagen zu erfüllen. Etwa um sich als Verkäufer von Bio-Lebensmitteln zertifizieren zu lassen. Diese Hürde hat Meine Dorfzeile vor kurzem gemeistert – und das Produktportfolio damit endlich um Bio-Produkte erweitert.

All die bürokratischen Stolpersteine haben Christian Roßmann und Sebastian Tröster schon etwas ernüchtert. Aber: Ein Gründer muss da durch.

„Wir haben so große Töne gespuckt, zurück geht es nicht mehr“

Was gestern war, ist für die beiden sowieso nicht mehr von großer Bedeutung. Roßmann und Tröster schauen vor allem nach vorne. In eine andere Richtung geht es für sie nicht mehr. Können sie gar nicht mehr. Dazu haben die beiden Gründer schon zu viel Arbeit investiert. Das Ganze wieder einzustampfen, wäre mehr als enttäuschend. Außerdem fühlen sie sich auch den Erzeugern verpflichtet, deren Produkte sie verkaufen oder deren Vertrieb geplant ist.

„Wir stehen bei so vielen Leuten in der Verpflichtung“, sagt Roßmann. „Wir haben so große Töne gespuckt. Zurück geht es nicht mehr.“ Ihm und seinem Geschäftspartner ist durchaus bewusst, dass das nicht immer einfach sein wird. Schon oft hatten sie Phasen, in denen sie sich fragten, ob sie auf dem richtigen Weg seien, ob das alles Sinn mache.

„Dann pushen wir uns gegenseitig“, sagt Tröster. Das hilft. Nicht zu unterschätzen ist, dass auch die Partnerinnen von Christian Roßmann und Sebastian Tröster ihre Männer und deren Projekt unterstützen. Auch für sie wäre es durchaus bedauerlich, wenn alles wieder eingestampft würde. Denn sie haben immerhin – im Sommer 2017, am Bad Kissinger Stadtstrand, bei Cocktails und Wein – den Namen des Start-ups erfunden: Meine Dorfzeile.

 

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